OWL. Im Oktober 2025 reiste eine kleine Delegation aus dem Bezirk OWL nach Togo, Petra und André Kunzmann aus der Gemeinde Bad Oeynhausen und Helga Lilienbecker aus Hiddenhausen. Als Botschafter des Vereins UGUS – Un Geste, Un Sourire besuchten sie Projekte, Patenkinder und Gemeinden, die durch die Spenden aus OWL unterstützt werden. Im Interview Teil II beschreiben sie ihre Eindrücke aus Togo.
Ihr seid am 3. Oktober in Brüssel gestartet und 8 Stunden später in einer anderen Welt gelandet. Wie fühlt sich das an?
Das Klima an der Küste in Togo ist durch die Nähe zum Äquator geprägt. Die tropisch-feuchte Wärme ist der erste fühlbare Eindruck nach Verlassen der klimatisierten Flughafenhalle. Wir mussten erst einmal tief durchatmen.
Dieser erste Eindruck war jedoch schnell verflogen. Ein Flötenquartett aus der Gemeinde Gakpoto, der Vereinsvorsitzende von Ugus, Hirte Edina Hiheglo, Sévérine mit Familie und Patenkinder haben uns liebevoll empfangen.
Besonders erwähnen möchten wir, dass unsere gesamte Reise von dem Präsidenten und Mitgliedern von UGUS hervorragend begleitet und organisiert wurde. Dafür sind wir sehr dankbar.
Und - Ja, es ist tatsächlich eine völlig andere Welt, angefangen vom Klima, den Lebensverhältnissen, der Demografie, den bunten Stoffen, dem Kunsthandwerk, der Armut und doch beeindruckenden Lebensfreude und Herzlichkeit der Menschen.
Auf eurem Programm stand zuoberst der Besuch eurer Patenkinder. Welche Eindrücke habt ihr mitgenommen von dem Besuch in den Familien? Wie unterstützt ihr eure Patenkinder?
Wir kannten uns nur von Fotos, selbstgemalten Bildern und dem Austausch mit den Verwandten. Daher war es ein großes Herzensanliegen, die Kinder persönlich kennenzulernen. Es war schön, zu erleben, wie glücklich sie in den betreuten Familien sind. Dies bestätigt auch den Grundgedanken unserer Förderung: Wir möchten Kindern ein Zuhause bei Verwandten oder Freunden in der Großfamilie ermöglichen.
Unterstützung leisten wir, indem wir die Schulgebühren und das Schulmaterial für die Privatschule übernehmen und den Familien mit einem kleinen finanziellen Beitrag helfen.
Welche Eindrücke konntet ihr aus den Gemeinden mitnehmen?
Der Besuch in den Kirchengemeinden hat uns sehr bewegt. Die Freude im Glauben, die herzliche Begrüßung, die Begeisterung für die Musik aber auch die Demografie sind beeindruckend und zeigen einen geistigen Reichtum, umgeben von armen Lebensverhältnissen.
So trafen wir in der kleinen Gemeinde Kpalimé im Südwesten Togos (Kpalimé, eine Stadt mit etwa 90.000 Einwohnern) 30 Kinder, 12 Jugendliche, eine Diakonin, einen Priester, der gleichzeitig der Vorsteher ist, sowie einige wenige Erwachsene an.
Die Diakonin, auch Dirigentin der Gemeinde, unterrichtet den Instrumentalkreis, der den Gottesdienst musikalisch gestaltete. Wir haben uns gefreut, dass wir ihnen zum Abschied einige Notenständer überreichen konnten.
Der Zugang zu Schulbildung für möglichst viele Kinder ist euch wichtig. Wie sieht die Situation vor Ort aus?
Wir haben die Schule CPL le Guide in Vogan besucht, ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Apostel Ablam Degbe, von Beruf Lehrer, hatte vor 12 Jahren diese Schule mit 15 Schülern gegründet. Inzwischen gibt es Klassen vom Kindergarten bis zur Oberstufe.
In der Stadt Vogan gibt es sechs staatliche Schulen. Die staatlichen Schulen sind jedoch oft überfüllt. Weit über 100 Kinder sind in einer Klasse, trotz einer Früh- und Spätschicht. Daher wird das Bildungsangebot durch Privatschulen erweitert.
Dank der Spenden aus OWL haben wir dieser Schule in diesem Jahr zum Schulstart 20 Schulbänke und Tische gespendet sowie für sieben Waisenkinder die Schulgebühren finanziert.
Förderung der Ausbildung und des Handwerks beschreibst du, Petra, als Teil eures Engagements. Ihr hattet gebrauchte Nähmaschinen gesammelt und nach Togo geschickt. Wie war das, vor Ort zu sehen, wie diese zum Einsatz kommen?
Es ist unglaublich zu sehen, mit wie viel Freude und Kreativität mit diesen, im Grunde genommen ausgedienten, Nähmaschinen gearbeitet wird.
Am 11. Oktober besuchten wir ein Konzert in Gakpoto. Eigens für das Konzert nähte Dédé aus der Gemeinde Gakpoto in ihrer Schneiderwerkstatt für die Kinder ihrer Gemeinde die Kleidung und eine Schneiderin in Hahotoe erstellte das Outfit für über 20 Kinder des Kinderchors und der Instrumentalisten.
Und auch wir bekamen neue Garderobe, liebevoll und aufwendig genäht, aus bunten landestypischen Stoffen. Für uns zunächst schon etwas gewöhnungsbedürftig (Ein Schmunzeln in den Gesichtern der Drei). Um so größer jedoch unsere Wertschätzung, in dem Wissen, dass es ärmste Lebensumstände sind, aus denen trotzdem gern gegeben wird.
Eine weitere Freude für uns: UGUS konnte einigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz im Schneiderhandwerk vermitteln und eine Schneiderwerkstatt in Hahotoe einrichten.
„Education Plus“ – eine Freizeiteinrichtung von UGUS. Wie habt ihr dort unterstützt?
„Education Plus" liegt in Avevonou in der Region Vogan. Hier wird für Kinder aus der ländlichen Region, in der es keine Freizeitangebote gibt, ein kreatives Wochenend- und Ferienprogramm angeboten. Wir haben das Projekt mit Malutensilien, Tischen und Bänken versorgt. Die Hilfsorganisation „human aktiv“ aus Süddeutschland baute einen Brunnen für die Einrichtung.
Wir wurden dort mit traditionellen Tänzen und Trommeln empfangen, drei Kinder spielten auf der Blockflöte. Die Begeisterung für Musik, ob traditionell oder Klassik ist überall spürbar.
Gottesdienste in Togo – wahrscheinlich ganz anders als in Deutschland?
Ja, auf jeden Fall. Schon allein die Anreise war teilweise ein Abenteuer. Es war Regenzeit, die Straßen holprig und die Sandwege voller Wasser.
An einem Mittwochabend, es war mittlerweile stockfinster, kamen wir in Kpeme an - und auch die Kirche war dunkel. Einige Brüder begüßten uns mit Taschenlampen in der Hand und erklärten, es gebe hier keinen Strom. - Also müssen ein paar Kerzen und Taschenlampen genügen.
Helga, das hat dich beeindruckt. War das der Moment in dem du beschlossen hast, Spenden zu sammeln, damit die Glaubensgeschwister in Zukunft Gottesdienst mit Licht feiern können?
Ja, es war sehr, sehr dunkel und im ersten Moment auch unheimlich als wir dort ankamen. Für uns hier absolut unvorstellbar. Da habe ich spontan beschlossen, dass sich das ändern muss.
Was war das Highlight eurer Reise?
Das Konzert in der Kirche Gakpoto mit Instrumentalisten aus neun Gemeinden am Samstag, 11. Oktober 2025, war das absolute Highlight unseres Besuchs. Die Musik berührte nicht nur uns, alle Teilnehmer in der vollbesetzten Kirche strahlten eine einzigartige Freude aus.
Auch der Abschlussgottesdienst in der Gemeinde Dabadacondij mit Apostel Ablam Degbe war ein besonderes Erlebnis. Diese Gemeinde hat inzwischen ein Grundstück und einen Versammlungsraum. Eigentlich noch Baustelle, aber Gottesdienste finden schon statt. Hier erlebten wir einen großen Chor mit vielen jugendlichen Stimmen und Instrumentalmusik.
Petra, kannst du die Eindrücke dieser Reise in einem Satz zusammenfassen?
Es war keine gewöhnliche Reise – wir wurden aufgenommen wie Familie.
Und ein Letztes: Was möchtet ihr den Spendern aus OWL sagen?
Den Spendern sagen wir von Herzen DANKE! Wir haben gesehen, wie viel Hoffnung eure Unterstützung schenkt. Ob Schulbank, Rucksack, Patenschaft oder Kleidung – jede einzelne Spende kommt an und macht einen echten Unterschied im Leben der Kinder.
Herzlichen Dank für das Interview.
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