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Mädchen und Frauen
in der NAK Westdeutschland

 

Bezirk Herford. Die Wahrnehmung und Wertschätzung von weiblicher Mitarbeit in der Kirche zu fördern, die Wünsche und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen gegenüber der Kirchenleitung zu vertreten – das sind nur einige der Inhalte, für die die Koordinationsgruppe Mädchen und Frauen in der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, kurz „KG schWESTern@work“ steht.

Neben Ines Vogel als Leiterin der KG und ihrer Stellvertreterin Beate Rudolf arbeitet aus jedem der sechs Apostelbereiche der Gebietskirche eine Frau im Kernteam der Koordinationsgruppe mit.

Für den Apostelbereich Nord ist das Verena Küpperbusch aus Bielefeld. Sie ist auch die Ansprechpartnerin für Mädchen und Frauen aus dem Bezirk Herford. In einem Interview beantwortet sie uns Fragen zur Arbeit der Gruppe, zu Aufgaben und Zielen.

Kannst du zunächst kurz zusammenfassen, an welchen Themen ihr arbeitet?

Zurzeit sind es zwei Themenbereiche, an denen wir intensiv arbeiten: Das ist zum einen eine Aufstellung der Aufgaben und Dienste, die Geschwister ohne ein Amt in der Neuapostolischen Kirche ausführen können – also auch Frauen. Zum anderen wünschen wir uns, dass es für alle Geschwister Frauen gibt, die offiziell als Seelsorgerinnen arbeiten. Grundsätzlich machbar ist das bereits, auch ohne Amt. Einen möglichen Handlungsrahmen dazu haben wir auf der Apostelversammlung im Frühjahr vorgestellt.

Welche Aufgaben werden von Mädchen und Frauen in der Neuapostolischen Kirche bereits wahrgenommen?

Das wird in den unterschiedlichen Gemeinden oft sehr verschieden gehandhabt: In einigen Gemeinden nehmen Frauen bereits heute alle Aufgaben wahr, die ohne ein Amt ausgeübt werden können. Sie bereichern die Gemeinden zum Beispiel als Organistinnen, Ersthelferinnen, Öffentlichkeitsbeauftragte oder bereiten den Altar für den Gottesdienst vor, führen Andachten durch und zählen das Opfer aus.

Es gibt aber auch Gemeinden, in denen die Beteiligung von Frauen bisher nur selten angenommen wird. Hier möchten wir gerne unterstützen und mehr Klarheit bezüglich möglicher Aufgabenbereiche schaffen. Das erhöht für alle Beteiligten die Sicherheit im Umgang mit der Verteilung von Aufgaben und kann somit ermutigen, neue Lösungen zu finden.

Welche Rückmeldungen bekommt ihr aus den Gemeinden in Bezug auf die weibliche Mitarbeit? Wird diese Unterstützung überwiegend positiv angenommen oder ist da an der einen oder anderen Stelle noch ein Umdenken notwendig?

Ich habe den Eindruck, dass die Mitarbeit von Frauen in den meisten Fällen positiv wahrgenommen wird und oft als eine Bereicherung erlebt wird. Dabei wird nicht selten hervorgehoben, dass Frauen bei manchen Themen einen anderen, zusätzlichen Blickwinkel mitbringen. Das kann dazu führen, dass Angebote in den Gemeinden vielfältiger werden.

Aber es gibt natürlich auch Einzelfälle, in denen Frauen es schwer haben, zum Beispiel, um an Informationen zu kommen, die für ihre Mitarbeit hilfreich sind: Seien es die Leitgedanken für Organistinnen oder der Zugriff auf Informationen aus dem NAK-Portal – was für Amtsträger selbstverständlich ist, wird Frauen manchmal sogar verweigert.

Für Betroffene ist das frustrierend, insbesondere, wenn sie wissen, dass die Informationsweitergabe in anderen Gemeinden reibungslos gelingt. Hier gilt es, die Verantwortlichen zu sensibilisieren und ein einheitliches Vorgehen in unserer Gebietskirche zu fördern.

Wo sieht die KG weitere Bereiche in denen sich Mädchen und Frauen einbringen können?

Aus unserer Sicht ist die Seelsorge ein ganz zentraler Bereich, in dem Frauen nicht fehlen dürfen. Dass diese Einschätzung viele Geschwister teilen, haben die Ergebnisse von Umfragen gezeigt, die wir gemeinsam mit Schwestern aus ganz Deutschland und der Schweiz auf dem Internationalen Jugendtag in Düsseldorf 2019 durchgeführt haben.

Zentrales Ergebnis war, dass sich eine überwältigende Mehrheit dazu bekannte, dass sie gerne Seelsorgerinnen in ihren Gemeinden hätten: 93 % der 1.233 Teilnehmenden an der Umfrage haben diesen Wunsch angegeben. Auf die Frage, welche Themen die Teilnehmenden lieber mit einer Seelsorgerin besprechen würden, wurden alle denkbaren Bereiche genannt: von Alltagssorgen über die (Glaubens-)Erziehung von Kindern bis hin zu Problemen, die mit dem Amtsauftrag des Partners in Verbindung stehen.

Besonders deutlich wurde jedoch auch, dass es Themenbereiche gibt, in denen sich die Teilnehmenden von Frauen besser verstanden zu fühlen glauben bzw. bei denen ihre Scham unter Umständen zu groß wäre, als dass sie sie mit einem männlichen Amtsträger besprechen möchten. Genannt wurden hier z. B. der Verlust eines Kindes, ungewollte Schwangerschaften, Missbrauch, Vergewaltigung, Abtreibung, häusliche Gewalt oder eine Trennung der Eltern. Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig verwunderlich, dass 90 % der Teilnehmenden sich sogar spezielle Seelsorgeangebote für Frauen wünschen – als Einzelgespräche oder in Form von Gesprächskreisen und Kleingruppen.

Ihr seid Ansprechpartnerinnen für die Seelsorge. Inwieweit wird dieses Angebot angenommen? 

Dieses Angebot wird angenommen – aber selbstverständlich ist Vertraulichkeit von ganz zentraler Bedeutung in der Seelsorge. Daher möchte ich etwas allgemeiner auf diese Frage antworten.

Die meisten Frauen melden uns zurück, dass ein solches Angebot dringend notwendig ist – einige sagen sogar, es sei längst überfällig gewesen. Viele Frauen belastet es, dass ihre Kompetenz, die sie in ihrem beruflichen und sozialen Umfeld selbstverständlich einbringen, im kirchlichen Kontext nur wenig gefragt ist. Dadurch fühlen sie sich teilweise verletzt oder in ihrer Rolle als Christinnen eingeschränkt.

Andere Frauen haben sich wiederum ganz gut damit eingerichtet und erleben es als Erleichterung, zu wissen, dass sie im kirchlichen Rahmen nur eingeschränkt Verantwortung tragen können. Das nimmt ihnen ein Stück weit die Verantwortung ab, selber entscheiden zu müssen, wie intensiv sie sich engagieren möchten – so wie es etwa Männer tun müssen, wenn Sie gefragt werden, ob sie bereit sind, ein Amt zu übernehmen.

Aber an uns wenden sich natürlich nicht nur Frauen. Auch Männer (mit und ohne Amt) haben bereits Kontakt zu uns aufgenommen. Amtsträger berichten in den Gesprächen häufig, dass es auch für sie oft leichter wäre, wenn Frauen offiziell als Seelsorgerinnen aktiv wären. Dabei wird etwa der Seelsorgebesuch einer Single-Frau als Beispiel angeführt. Insbesondere, wenn es sich um eine neu zugezogene Frau handelt, die man noch nicht (gut) kennt, sei es für sie oft schwierig und ihnen sei bewusst, dass so eine Person sicher nicht alle Themen, die sie eventuell bewegen, mit ihnen besprechen möchte. Die Begleitung oder Übernahme solcher Gespräche durch Seelsorgerinnen wäre ihnen eine Hilfe, sagen sie.

Wie sieht die weitere Entwicklung des weiblichen Seelsorge-Angebotes aus, zum Beispiel auf Bezirks- oder Gemeinde-Ebene?

Alle Mitarbeiterinnen der Koordinationsgruppe sind als Seelsorgerinnen für die Gebietskirche Westdeutschland aktiv. Unsere Kontaktdaten finden interessierte Geschwister auf unserer Internetseite.

Was das weibliche Seelsorge-Angebot auf Gemeindeebene angeht, sind wir in der Abstimmung mit dem Bezirksapostel und der Apostelversammlung. Wir freuen uns, dass die Apostel auch in dieser Frage hinter uns stehen und hoffen darauf, dass es zeitnah in die Umsetzung gehen kann.

Hast du zum Schluss noch einen motivierenden Gedanken für die Mädchen und Frauen, die noch zögern, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in ihrer Kirche einzubringen?

Von denen, die aktiv sind und Kirche mitgestalten höre ich oft, dass die Befassung mit dem eigenen Glauben durch die Übernahme von Aufgaben und Verantwortung intensiver wird. Egal, ob ich eine Unterrichtsstunde für Kinder vorbereite oder die Orgelbeiträge für einen Gottesdienst – man geht den Glaubensthemen dabei auf den Grund. Das stärkt den eigenen Glauben, wie in Matthäus 7,8 formuliert: Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Zudem hat jede Person individuelle Fähigkeiten, die eine Gemeinschaft braucht, um vielfältig zu sein und eine Atmosphäre zu bieten, in der sich alle wohl fühlen. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn noch viel mehr Geschwister diese Chance nutzen und in ihren Gemeinden und Bezirken aktiv werden. Nur so lässt sich Gemeinschaft und eine lebendige Kirche gestalten (vgl. Apg. 2,42).

Vielen Dank für das Interview.

 

Weitere Informationen zur Koordinationsgruppe schWESTern@work fiinden Sie hier.
"schWESTern@work wollen weibliche Mitarbeit weiter fördern" - Bericht auf Nak-West

Ansprechpartnerin im Apostelbereich Nord: 
Verena Küpperbusch, Telefon: +49 176 97895513, E-Mail: verena.kuepperbusch@nak-mail.de

16. Juni 2021
Text: Marion Schröder / Verena Küpperbusch
Fotos: nak-west.de

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Verena Küpperbusch - Ansprechpartnerin im Apostelbereich Nord
Mädchen und Frauen in der NAK Westdeutschland gestalten Kirche aktiv mit.
Aufgaben und Ziele gemeinsam angehen
Am Stand von "sister active" beim Internationalen Jugendtag 2019 in Düsseldorf
Am Stand von "sister active" beim Internationalen Jugendtag 2019 in Düsseldorf
 

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