Bad Oeynhausen. Auf ein Wort - Cornelia Lack, ACK-Delegierte der Neuapostolischen Kirchengemeinde Bad Oeynhausen, verfasste unter der Überschrift "Ein Gedenken" einen Artikel für die Neue Westfälische, der am 6./7. Dezember 2024 veröffentlicht wurde. Die Neuapostolische Gemeinde Bad Oeynhausen ist Mitglied des Arbeitskreises Christlicher Kirchen Bad Oeynhausen-Innenstadt.
Jedes Jahr freue ich mich über die Weihnachtsbeleuchtung im Kurpark. Die historischen Gebäude erstrahlen in festlichem Licht, der gesamte Park wird zu einem Ort der Ruhe und Schönheit.
Wenn ich an den Tod des jungen Mannes denke, der hier getötet wurde, verliert der Glanz der Weihnachtsbeleuchtung für mich allerdings an Strahlkraft. Mein herzliches Mitgefühl gilt der Schwester, der Mutter und dem Vater von Philippos. Immer wieder sehe ich an der Todesstelle Menschen in stillem Gedenken. Wie entsetzlich, dass niemand diese Tat verhindern konnte.
Eine Woche vor dieser Wahnsinnstat sah ich im Kurpark Schulabschlussklassen. Etliche Schüler hatten offensichtlich Migrationshintergrund, viel gelernt und ihren Schulabschluss erreicht! Ein Schulleiter war über die Integrationsleistung seiner Schule befragt worden und hatte stolz in dieser Zeitung berichtet. Nach dem Mord an Philippos waren alle Erfolge der guten Pädagogen und ihrer Schüler vergessen. Weil es billigem Populismus diente. Die Rufe nach einfachen Schuldzuweisungen, die in rassistischen Vorurteilen mündeten, übertönten alles andere.
Aber es ist dringender denn je zu differenzieren und Migranten nicht per se abzuwerten. Nachwuchskräfte werden in allen Branchen gesucht. In den nächsten Jahren verlassen weitere Millionen Arbeitnehmer aus Altersgründen den Arbeitsmarkt. Vor dieser gesellschaftlichen Veränderung warnen Statistiker seit vielen Jahren! Jede Arbeitskraft wird in Zukunft gebraucht.
Deshalb haben vierzig namhafte Unternehmen aus Deutschland einen Aufruf zu mehr Toleranz gestartet: in der NW „Made in Deutschland by Vielfalt“ am 19. August 2024.
Ich frage mich: “Was kann ich denn als Bürger tun, um bei der Integration zu helfen?“
Zunächst vermeide ich jeden Generalverdacht gegenüber Migranten. Ich spreche mit ihnen und erfahre darüber, dass sie Väter und Mütter sind, die sich um ihre Kinder sorgen. Die respektvolle Haltung eines Kindes wird in einem stabilen, familiären Umfeld genährt.
Ich glaube fest daran, dass jeder von uns im Kleinen einen Beitrag leisten kann. Indem wir Vorurteile ablegen und den Dialog suchen, können wir Brücken bauen, die langfristig zu einer besseren Integration führen. Insofern ist das Gedenken an Philippos für mich auch ein Akt der Nächstenliebe und Menschlichkeit.
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