Sicher, die Weihnachtsgeschichte ist immer wieder schön zu hören und ein Neugeborenes immer schön anzusehen. Zudem ist es ein beglückender Moment, wenn Gott Leben schenkt und ein Menschenkind das Licht der Welt erblickt. Die Geburt des Gottessohnes ist sogar einzigartig: Es gibt nur diesen einen Christus und es ist etwas Wunderbares, die Geburt des Retters der Menschheit an Weihnachten zu feiern. Zugegeben.
Trotzdem merkwürdig, dass mich diese Alle-Jahre-wieder-Geschichte früher intensiver begeistert hat. Vielleicht liegt das an meinem Alter. Ursprünglich ist es nicht mal eine Weihnachtsgeschichte, sondern ein Bericht über die Geburt Jesu aus dem Lukasevangelium. Das Weihnachtsfest etabliert sich erst über 1.000 Jahre später.
Viele der heutigen Weihnachtsgeschichten scheinen mir eher keine gute Gesellschaft für den Bericht über die Geburt Jesu zu sein: stark gefühlsbetont, übertrieben harmoniesüchtig, leicht kitschig und manchmal etwas schlicht, kommen sie mir daher. Da vermischt sich etwas mit der Geburtsgeschichte Jesu, das ich maximal noch kindgerecht nennen mag. Es ist, als würde man Jahr für Jahr zurück in seine Kinderschuhe gesteckt.
Gut, lassen wir die Qualität mancher Geschichten mal dahingestellt sein. Jeder mag für sich entscheiden. Der Geburtsbericht Jesu jedenfalls ist erst der Anfang. Die frohe Botschaft geht weiter. Während wir über Jesu Kinder- und Jugendzeit wenig bis nichts wissen, berichten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes umso mehr über sein kurzes, öffentliches Auftreten. Gott sei Dank – und darin finde ich vieles, was mich begeistert.
Hauptthema der Verkündigung Jesu war das Reich Gottes. Als Jesus sich einmal zu Johannes und zum Reich Gottes äußert, fällt folgender Satz in Matthäus 11,12: Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich. In der Bibel in gerechter Sprache wird es so ausgedrückt: Von den Tagen Johannes des Täufers bis jetzt wird Gottes Welt von Gewalt verletzt und Gewalttätige reißen sie an sich.
Keine Frage, Machtgezerre und Gewalt sind überall in unserer Welt gegenwärtig. Nicht nur politisch, auch in der Kommunikation, in digitalen Netzwerken, an Arbeitsplätzen und in Beziehungen. Kein Lebensbereich bleibt ausgespart. Große Teile der Menschheit werden unterdrückt und zu (Kriegs-) Opfern der Machtinteressen Einzelner. Das ist leider Teil unserer Realität.
Aber klingt dieser Vers aus Matthäus nicht auch so, als sei Reich Gottes schon heute möglich, sogar schon unter uns? Können wir dazu beitragen, dass das Reich Gottes noch mehr Realität wird? Dann, wie?
Sicher, indem wir uns bemühen, Gutes zu tun. Bestimmt auch, indem wir weiter vom Reich Gottes reden und davon, wie Gott sich das Zusammenleben der Menschen und mit sich selbst vorstellt. Jesus hat uns das offenbart. Er selbst gibt in der Bergpredigt, in seinen Gleichnissen und durch die Maßstäbe im Weltgericht viele gute Hinweise, was wir tun können, damit das Reich Gottes unter uns schon heute ein Stück weit Realität werden kann.
Zugestanden, unsere Möglichkeiten, das Böse vollständig zu überwinden, sind limitiert. Trotzdem haben wir Möglichkeiten und sollten sie nutzen. Gott selbst wird einmal allen Gewalttätern und Machtbesessenen Einhalt gebieten. Er wird in die Weltgeschichte eingreifen und ich meine, er muss. Bis dahin gilt: Raus aus den Kinderschuhen, rein ins Reich Gottes. Mit Begeisterung!
Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 2025.
Michael Block
Bezirksvorsteher
24. Dezember 2025
Text:
mb
Fotos:
AdobeStock
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