Einen besonderen Gottesdienst erlebte die Gemeinde Bielefeld-Mitte am Sonntag, 28. Januar 2024 – es hieß endgültig Abschied nehmen von einem Gebäude, welches der Gemeinde und dem Bezirk über 104 Jahre diente, davon alleine über 40 Jahre als sogenannte „Mensa“ für Jugend- und Bezirksveranstaltungen.
Es lagen schon viele Gefühle im Raum, als der Vorsteher der Gemeinde, Evangelist Jörg Adomeit, zu Beginn von einer „freudigen Angespanntheit“ sprach, die viele der Anwesenden auch spüren konnten. Freudig – weil sich die ganze Gemeinde auf die renovierte Stamm-Kirche freute, die man nach über zwei Jahren Renovierung bald wieder beziehen wird – aber auch Angespanntheit, weil etwas aufgegeben wird – in dem Fall eine Gottesdienststätte mit viel Geschichte und manchem, sehr persönlichem Bezug.
So waren denn auch mehr Geschwister gekommen und per Youtube zugeschaltet, als an einem üblichen Sonntag. Über 220 Teilnehmende wollten noch einmal Gottesdienst erleben, bevor dieses an dieser Stelle nicht mehr möglich sein kann. Und das es weitergeht, wurde zu Beginn deutlich, als der Vorsteher auf das Bibelwort nach Apostelgeschichte, 2, 42 einging – in der Gemeinschaft bleiben, sich einbringen – das geht überall, früher und heute, ob altes oder neues Gotteshaus. Der mitdienende Priester Jens Adomeit vertiefte diesen Gedanken: „es ist heute nur der Abschied von einem Gebäude, nicht von der Gemeinde“. Er wies auch darauf hin, dass heute die Kinder am Altar auf Kissen sitzen und er dieses als Kind auch erlebt hatte; Gemeinde wäre da, wo man sich wohlfühlt – und das kann auch an einem anderen Platz sein als bisher.
Rückblick auf die Vergangenheit
Nach einem kurzen Gottesdienst wurde eine umfassende Bildershow zur Historie des Kirchengebäudes/der Mensa gezeigt und die Priester Ulrich Geier und Timo Block konnten auf einige Highlights, Ereignisse und Daten zurückblicken. In den zurückliegenden 104 Jahren sind 175 Amtsträger in diesem Gebäude tätig gewesen, darunter die späteren Bezirksapostel Engelauf und Ehlebracht, die auch jeweils eine Zeit lang zur Gemeinde gehörten und als Amtsträger wirkten. Der frühere Vorsteher der Gemeinde Werther/Halle-Werther, Priester Nölke, berichtet zudem sehr persönlich aus seiner Kinder- und Jugendzeit in der Gemeinde. Auch zur Erstellung/zum Bau der Weltkarte, an der er maßgeblich beteiligt war, konnte er manch unbekanntes Detail den Zuhörenden mitteilen. Diese wird zukünftig im neuen Gemeinschaftsraum in der Bismarckstraße zu sehen sein. Für viele der älteren Geschwister war die Berichte der Priester und Zeitzeugenerinnerungen besonders emotional, und bei manchem gezeigtem aber auch beschriebenem Bild kamen vielfach Erinnerungen an besondere Handlungen und Gottesdienste, aber auch freudige Ereignisse wieder.
Profanierung als letzte Amtshandlung in der Kirche und im Gottesdienst
Nach den anschließenden Profanierungsworten lud der Vorsteher die versammelte Gemeinde ein, ihm zu folgen: er nahm die Bibel mit, die Priester trugen die Kelche aus dem Haus und die ganze Gemeinde ging geschlossen zu Fuß über die Dorotheenstraße in die Bismarckstraße - zur neuen, „alten“ Kirche. Nach einem kurzen Lied („Das Gotteshaus ist unsere Lust“) konnten sich bei einer Tasse Kaffee alle Geschwister von der gelungenen Renovierung des Kirchengebäudes überzeugen. Und bei so manchem wich die Traurigkeit der Freude auf ein neues, frisches Gotteshaus mit noch mehr Möglichkeiten dank Aufzug und Mehrzweckraum!
Info Profanierung: Nach kirchlichem Verständnis ist damit der Vorgang, der die kirchliche Nutzung eines Kirchengebäudes beendet, etwa wegen Gemeindeaufgabe, Abriss oder einer anderen Nutzung, gemeint. Sie ist demgemäß das Gegenstück zur Kirchweihe. Staatskirchenrechtlich hat dieser Vorgang in Deutschland die Wirkung einer sogenannten „Entwidmung".
Ende der Artikelserie “Time to say Goodbye”
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