Bielefeld. Wenige Wochen nach seiner Ruhesetzung würdigte der Bezirk Ostwestfalen-Lippe seinen Bischof i.R. Peter Johanning mit einer Feierstunde. Dazu hatten sich Wegbegleiter, Freunde und Gläubige in der Kirche Quelle-Steinhagen versammelt, darunter zwei Bezirksapostel im Ruhestand. Für den Bischof war die Veranstaltung eine Überraschung. Und am Ende gab es noch eine Spende für Jugend bewegt.
„Was macht ihr denn hier?“ Ungläubige Blicke von Bischof Johanning, als er am Samstag, dem 5. Oktober auf den Kirchenparkplatz in Quelle-Steinhagen fährt. Er wähnte sich auf dem Weg zu einem familiären Fotoshooting-Termin. Stattdessen erwarteten ihn auf dem Parkplatz Apostel Carsten Denker und in der Kirche rund 200 Besucher. Doch Peter Johanning ist Medienprofi: Nach wenigen Momenten der Aufregung wirkt er wieder gelassen, als er das Kirchenschiff betritt und mit Applaus begrüßt wird.
In den folgenden 90 Minuten wechseln sich Video-Grußbotschaften, Vorträge des Kammerchores und Gespräche ab. Priester Oliver Rütten, Bezirksvorsteher von Minden, und Priester Roland Scholz aus Bielefeld hatten das Programm im Auftrag des Apostels vorbereitet und wechselten sich bei der Moderation ab.
Im Gespräch mit Wilfried Klingler
Im ersten Gespräch erinnerte Bezirksapostel i.R. Wilfried Klingler (früherer Leiter NAK Mitteldeutschland) an die erste gemeinsame Bezirksapostelversammlung und die damalige angespannte innerkirchliche Situation Anfang der 1990er-Jahre.
Vor dem Hintergrund zahlreicher öffentlicher Diskussionen mit ehemaligen Mitgliedern und verstärkten Presseanfragen hatte der damalige Stammapostel Richard Fehr entschieden, eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit bei der internationalen Kirche zu schaffen und präsentierte den Bezirksaposteln mit Peter Johanning einen Medienprofi, „der sich bis heute äußerlich kaum verändert hat“, scherzte Bezirksapostel Klingler. Und weiter: „So wurde aus einem bis dahin unbekannten Bielefelder Priester der heute weltweit bekannte Bischof Johanning.“
Gremium für besondere Angelegenheiten
Gemeinsam arbeiteten beide im „Gremium für besondere Angelegenheiten“ und suchten den Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern. Bischof Johanning erinnerte an zahlreiche Gespräche, in denen sie viele Stunden zugehört hätten. So wuchs nach und nach Verständnis für die Anliegen der damaligen „Aussteiger“ und beide Seiten machten sich auf den Weg der Annäherung.
Eine solche Annäherung gab es auch mit den anderen apostolischen Gemeinschaften und Kirchen. „Du warst ein großartiger Netzwerker“, würdigte Bezirksapostel Klingler. Das half bei den Gesprächen mit den Schwesterkirchen, was zu einem „Konzil“ der apostolischen Kirchen sowie schließlich zu den Versöhnungserklärungen 2014 in Düsseldorf und 2017 in Greiz führte.
„Wir danken unserem Gott und geben ihm die Ehre, dass er dir so viele Gaben gegeben hat, mit denen du die Kirche reich machen konntest“, so die Schlussworte von Bezirksapostel Klingler.
Im Gespräch mit Rainer Storck
„Wir sind beide Freunde der Kürze“, stieg Bezirksapostel Rainer Storck in das Gespräch mit Bischof Johanning ein. Dieser sei ein großartiger Seelsorger gewesen, habe in so mancher Konfliktsituation vermitteln können und zudem ansprechende Predigten gehalten. „Du hast immer gute Laune gehabt und man hat deine Freude gespürt.“ Was denn sein Tipp für die Amtsträger sei, die einen Gottesdienst vorbereiten?
„Such dir einen Gedanken heraus, der dich anspricht und entwickle da herum deine Geschichte“, so der Rat von Bischof Johanning. Die Predigt müsse die Gemeinde mitnehmen und das gelinge nicht durch das Nacherzählen der Leitgedanken, sondern nur dann, wenn die Predigt authentisch sei und man einen eigenen Auszug nutze.
Bezirksapostel Storck interessierte sich zudem für die legendäre Hans Meiser-Sendung über die Neuapostolische Kirche. Bischof i.R. Johanning berichtete von der Situation hinter den Kulissen, wo alles dafür getan wurde, um möglichst viel Drama zu erzeugen. „Das war damals wohl das erste und einzige Mal, dass Stammapostel Fehr im Büro nachmittags Fernsehen geschaut hat“, schmunzelte er rückblickend.
Die „Ampelliste“
Ein weiteres Thema: Die Kommunikation der Kirche. Bei den Bezirksapostelversammlungen gebe es immer eine Ampelliste: Rot für Themen, die intern sind, gelbe Themen können mit den Aposteln besprochen werden, grüne Punkte können veröffentlicht werden. „Eigentlich gab es doch meist nur rote Punkte“, schmunzelte Storck.
„Ja, bei der Kirche brauche manches länger und etwas Zeit, da müsse man Geduld haben“, riet der Bischof im Ruhestand seinen Kollegen der Öffentlichkeitsarbeit. Aber es habe über die Jahre immer mehr grüne Ampelpunkte gegeben und das sei eine positive Entwicklung.
Weitere Gesprächsrunden
Weitere Gesprächsrunden gab es mit Bezirksältester i.R. Ulrich Hedtfeld, der Priester Peter Johanning 1992 auf einer gemeinsamen Reise nach Ostsibirien kennengelernt hatte. Gemeinsam erinnerten sie an Herausforderungen bei der Missions- und Pionierarbeit.
Priester Oliver Rütten sprach mit dem Bischof im Ruhestand über die Entwicklung der kirchlichen Medien, vor allem im Internet, sowie die Pläne für die Zeit im Ruhestand. „Erstmal bleibe ich ja noch in der Ökumene aktiv“, so Bischof Johanning. Er habe vor, das bestehende gute Netzwerk weiter zu pflegen und angesichts immer mehr Vollmitgliedschaften in den regionalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen stehe auch auf Bundesebene der Antrag auf Vollmitgliedschaft an. „Diesen will ich zumindest noch stellen, denn das Verfahren wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“
Genug Angebote für den Ruhestand erhielt Bischof Johanning in den Videobotschaften aus aller Welt. So lud Bischof Sam Mueller (Kanada), Übersetzer bei den internationalen Bezirksapostelversammlungen, zum gemeinsamen Urlaub in einer Blockhütte ein. Zudem meldeten sich beispielsweise Hirte i.R. Walter Hessler (Österreich) und die Bezirksapostel i.R. Urs Hebeisen (Südostasien), Leonard Kolb (USA) und Andrew Andersen (Australien). Sie und andere erinnerten an die gemeinsame Zeit und übermittelten Grüße und Segenswünsche für den Ruhestand.
„Nun danket alle Gott“
Abschließend bedankte sich Peter Johanning für die Überraschung am Samstagnachmittag und beschloss die Feierstunde mit einem Gebet, bevor die Besucher nach dem gemeinsam gesungenen „Nun danket alle Gott“ den Heimweg antraten.
Statt Geschenken hatten die Organisatoren um Spenden für "Jugend bewegt" gebeten. Am Ende der Feierstunde kamen so rund 1.000 Euro zusammen.
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