Westdeutschland/Bielefeld/Marl. Seit fast 45 Jahren dient Bischof Peter Johanning als Seelsorger in der Neuapostolischen Kirche. Am Mittwoch, 11. September 2024, feierte er seinen letzten Gottesdienst als aktiver Amtsträger. In der Gemeinde Marl-Brassert hatten sich dazu auch Wegbegleiter eingefunden.
Sonntag, 1. September 2024: Zwei Wochen vor der Ruhesetzung führt Bischof Peter Johanning seinen letzten Sonntagsgottesdienst in Quelle-Steinhagen durch. In der Gemeinde, in der er 1979 seinen ersten Amtsauftrag als Unterdiakon für seine Heimatgemeinde Halle empfing.
Passionierter Seelsoorger
Trotz des besonderen Moments sitzt der Bischof vor dem Gottesdienst entspannt in der Sakristei, in der sich die Bezirksleitung von Ostwestfalen-Lippe und die Amtsträger der Gemeinde versammelt haben. Er schaut in die Runde. „Wie geht es deinem Sohn“, fragt er einen seiner Amtsbrüder und findet nach der Antwort mutmachende Worte.
Es zeigt sich wieder: Bischof Johanning ist passionierter Seelsorger, kennt die Gläubigen in seinem Bereich gut, insbesondere natürlich in Bielefeld. Geboren in Bad Rothenfelde wohnt er seit vielen Jahren in Halle/Westfalen, nordwestlich der westfälischen Großstadt.
Heimat Bielefeld
1996 empfing Peter Johanning das Evangelistenamt und wechselte 1998 als Bezirksevangelist in die Leitung des Bezirks Bielefeld. In dieser Zeit wirkte er an der Seite von Bezirksältester Dieter Kruse, für ihn und andere im Bereich Ostwestfalen-Lippe ein Mentor und eine für Johanning prägende Zeit.
2009 trat Bezirksältester Kruse in den Ruhestand und Peter Johanning wurde für zwei Jahre sein Nachfolger, bevor er 2011 durch Stammapostel Wilhelm Leber in Velbert das Bischofsamt empfing. Er folgte auf Bischof Gerhard Blöß und war fortan im Bereich NRW-Nord unter Leitung von Apostel Walter Schorr tätig. An dessen Seite betreute er die Bezirke Bielefeld, Detmold und Herford (heute Ostwestfalen-Lippe) sowie Recklinghausen.
Prägte Öffentlichkeitsarbeit und Ökumene
Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst in Quelle-Steinhagen. Während die Strophen des Eingangslieds erklingen, geht sein Blick einmal durch das Kirchenschiff und die beiden Emporen. Gefühlt hat er jedem der über 100 Besucher kurz in die Augen geschaut. Hier und da lächelt er kurz, nickt jemandem zu.
In den Kirchenbänken sitzen Weggefährten, darunter die Apostel i.R. Walter Schorr und Volker Kühnle. An diesem Wochenende sind die Mitglieder der ehemaligen Arbeitsgruppe „Öffentlichkeitsarbeit“ der Neuapostolischen Kirche International sowie einige weitere Wegbegleiter zu Besuch bei Bischof Johanning und seiner Frau Elke. In den Jahren vor und nach dem Jahrtausendwechsel haben sie die Kommunikation der Kirche mitgeprägt. Die Freundschaften halten bis heute.
Ab 1996 als Kirchensprecher tätig
Peter Johanning wurde 1995, damals im Priesteramt, überregional bekannt. In der RTL-Talkshow Hans Meiser vertrat er die Neuapostolische Kirche, als sich in einer Sendung ehemalige Mitglieder kritisch über die Kirche in Deutschland äußerten. Der damalige Stammapostel Richard Fehr hatte darum gebeten, dass ein neuapostolischer Vertreter mit Medienerfahrung an der Sendung teilnimmt. Der gelernte Journalist arbeitete zu dem Zeitpunkt im Bielefelder Rathaus.
Ein Jahr später wechselte Peter Johanning als Medienreferent zur Neuapostolischen Kirche International mit Sitz in Zürich. 26 Jahre lang prägte er die Öffentlichkeitsarbeit und auch die ökumenische Öffnung der Kirche, bis er 2022 mit 65 Jahren in den beruflichen Ruhestand wechselte.
Niemand muss sich vor Gott fürchten
Im Gottesdienst geht es an diesem ersten Sonntag im September um die Nähe Gottes. Bischof Johanning führt in der Predigt aus, dass sich niemand vor Gott verstecken könne. „Aber du brauchst auch keine Angst vor ihm zu haben: Er begleitet dich, versorgt dich und geht mit dir – auch wenn du nicht immer alles richtig machst“, so seine mutmachende Botschaft. Und ein Rat: „Wenn Gott dich ruft: Sag ja!“ Nach zwölf Minuten Hauptpredigt ist Zeit für seine Mitbrüder und Wegbegleiter, von denen er zwei um einen Predigtbeitrag bittet: die Bezirksältesten Martin Gehrke und Michael Block.
Den Rat, ja zu sagen, hat Bischof Johanning selbst immer praktiziert: Seinen ersten Amtsauftrag als Unterdiakon empfing er am 11. November 1979 in Quelle-Steinhagen für die Gemeinde Halle. Drei Jahre später wurde er Diakon.
Letzter Gottesdienst in Marl-Brassert
An seine Ordination als Priester am 15. Mai 1983 kann er sich noch gut erinnern: „Morgens wurde ich bei einem unangekündigten Besuch von Bezirksapostel Hermann Engelauf überraschend ordiniert und durfte nachmittags schon meinen ersten Gottesdienst in der Nachbargemeinde Bad Rothenfelde halten“, berichtet er anderhalb Wochen später, am 11. September 2024, in der Sakristei in Marl-Brassert – zur Erheiterung der anwesenden teils jungen Vorsteher aus dem Bezirk. An diesem Mittwochabend hält er seinen allerletzten Gottesdienst.
In der Predigt sind die alttestamentlichen Schriften Thema, die auf den Messias hinweisen, der in Jesus erschienen ist. Der Bischof nutzt die Predigt im Gottesdienst für ein persönliches Vermächtnis: „Lies doch in der Schrift und glaube an ihre Verheißungen für unsere Zukunft. Die Bibel ist eine Schatztruhe.“ Ein weiterer Wunsch an die Gemeinde: „Behaltet euren Glaubensmut, auch wenn Gott nicht jede Bitte so erfüllt, so wie wir es gern hätten.“ Und als drittes: „Macht weiter mit, hört nicht auf zu reden und zu tun.“ Am Ende sei sicher: Jesus werde seine Verheißungen erfüllen.
Neue Ideen für Wochentagsgottesdienste
Zur Überraschung von Bischof Johanning sind in Marl-Brassert die beiden Bischöfe Rainer Sommer (West) und Jürgen Kramer (Süd) mit dabei. Mit Apostel Thorsten Zisowski arbeiteten sie in einer Arbeitsgruppe, die für Westdeutschland Konzepte für die Wochentagsgottesdienste erarbeitete. Der Bischof ruft beide zu kurzen Predigtbeiträgen, denn er will sich an die Zeit halten: „In der Gruppe ging es auch um die Zeitvorgabe von 45 Minuten für die Wochentagsgottesdienste – es wäre mir unangenehm, das heute nicht zu schaffen“, schmunzelt er.
Etwas länger wird es dann doch: Das liegt auch daran, dass sich Bischof Johanning nach den Predigtbeiträgen der Bischöfe wie immer Zeit nimmt für eine akzentuierte Feier des Heiligen Abendmahls. Nach dem Bußlied wartet er, bis Stille eingekehrt ist, bevor das Unser Vater gebetet wird. Und auch im weiteren Verlauf hält er immer wieder bewusst kurz inne, betont damit die feierliche Atmosphäre. Bei den liturgischen Texten blickt er an Stellen auf, wo die Gemeinde angesprochen wird. So gelingt es ihm, Ruhe zu vermitteln, ohne dass es zu Längen kommt.
Nach dem Gottesdienst verabschiedet Bezirksältester Raimund Gauert den Bischof - stellvertretend für die Gläubigen im Kirchenbezirk Recklinghausen – und überreicht Blumen. An der Türe folgen dann viele Umarmungen und Dankesworte von Gottesdienstbesuchern.
Weiter in der Ökumene aktiv
In der Ökumene bleibt Bischof Johanning auch nach seiner Ruhesetzung im Zentralgottesdienst am 15. September noch einige Zeit im Einsatz. Derzeit ist er Delegierter der Kirche in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. In Westdeutschland steht er weiterhin als Ansprechpartner für ökumenische Themen zur Verfügung.
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