Herford. Wiedereinweihung der erneuerten und erweiterten Kirchenorgel in der Gemeinde Herford – Bezirksältester Michael Block, Leiter des Kirchenbezirks Ostwestfalen-Lippe, hatte zu diesem Festakt am 6. Juni 2022 eingeladen. Mit Werken von Bach, Reger, Guilmant und Messiaen hatte der Organist Stücke gewählt, die Vielfalt und Klangfülle der generalüberholten Kirchenorgel zum Ausdruck brachten.
Die Orgel hat einen ganz besonderen Stellenwert für die Kirche und die Gläubigen. „Sie ist vorrangig für die Gemeinde da und begleitet die Gottesdienste, ist aber auch Konzertorgel und sie soll vor allem zu unserer Freude und zum Lobe Gottes erklingen“, so die einleitenden Worte des Bezirksältesten. „Ein halbes Jahr hat diese Orgel geschwiegen und will jetzt wieder gehört werden.“
Einige Details zur Geschichte der Herforder Orgel
Bezirksältester Block bedankte sich zunächst bei der Gemeinde für ihre Geduld und für die Spenden der Kirchenmitglieder, ohne die eine so umfangreiche Erneuerung und Erweiterung nicht möglich gewesen wäre. Er berichtete, dass es zwei Männern vor allem zu verdanken sei, dass diese große Orgel in der Herforder Kirche steht, nämlich Gerd Milewski und Werner Silva, zwei Orgelenthusiasten.
Sie haben die Orgel seinerzeit aus Registern zweier Orgeln zusammengefügt, nämlich aus gut der Hälfte der Register der damaligen Orgel der Dortmunder Westfalenhalle und der alten Orgel der Gemeinde Herford. „Man nahm, was man hatte“, so der Bezirksälteste, „und ging den Orgelbau ein wenig hemdsärmelig an“. Reparaturen wurden weitestgehend selbst ausgeführt. Orgelbau Simon aus Borgentreich durfte seinerzeit „nur“ die Windladen zuliefern. Gut fünfunddreißig Jahre später und nach einigen kleineren Überarbeitungen war die Kirchenorgel trotzdem in die Jahre gekommen und man war sich in Herford einig, es musste bis spätestens 2040 eine neue Orgel her.
„Eine gute Fügung“, so der Bezirksälteste „wollte es, dass Orgelbauer Kai Theile von der Verwaltung der Neuapostolischen Kirche in Dortmund als neuer Fachmann für Orgeln und Tasteninstrumente eingestellt wurde. Er begutachtete die Substanz der Herforder Orgel genau und fand in Orgelbaumeister Bernd Simon den richtigen Orgelbauer für die grundlegende Überholung und Erweiterung der Herforder Orgel. Jetzt steht die erste „Simon-Orgel in der Stadt Herford in der Neuapostolischen Kirche“, freute sich Bezirksältester Block.
Grund zum Loben
Thorsten Stümpel, Organist der Gemeinde Herford, entlockte an diesem Nachmittag der „neuen Orgel“ die ersten Töne mit dem Choral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, alle Teilnehmenden sangen freudig mit.
Hagen Heinicke, Kirchenmusiker im Masterstudium, Organist und Chorleiter, trug anschließend zwei Orgelstücke vor. Er kannte auch „die alte Orgel“ gut und bestätigte den Zuhörern, dass „die neue Orgel“ im Klang wesentlich runder, ein einheitlich intoniertes Instrument geworden sei. Man könne viel mehr Klangfarben miteinander kombinieren.
Die Fülle der Klangfarben konnten die Zuhörer dann genießen. Es ertönten die Werke von Johann Sebastian Bach, Triosonate c-moll, Satz 1 & 2, BWV 526 und Max Reger, Benedictus aus op.59, Nr. 9.
Ein halbes Jahr ohne Pfeifenorgel – es hat sich gelohnt
Orgelbaumeister Bernd Simon bedankte sich in seiner Ansprache bei der Kirchenverwaltung, dass er die Orgel aufarbeiten, renovieren und erweitern durfte. Damals vor etwa 35 Jahren erhielt er mit den Windladen seinen ersten Auftrag von der Neuapostolischen Kirche. Um die Jahrtausendwende lieferte er einen neuen Spieltisch. Nun, so viele Jahre später, konnte er die komplette Orgel überarbeiten und zu einer echten Simon-Orgel machen. Über 2.000 Pfeifen wurden einzeln und in Handarbeit überarbeitet, veraltete Technik wurde erneuert, an den Registern gearbeitet und sogar ein „Wunschregister“, eine Oboe, eingebaut. „Diese Kirchenorgel hält noch mindestens 60 Jahre“, so Bernd Simon und er wünschte, dass das Instrument bei allen Gemeindeanlässen eine gute Begleiterin sein möge.
Begeisterung und Dankbarkeit
Noch einmal spielte Hagen Heinicke zwei Orgelstücke. Zum einen von Felix Alexandre Guilmant, Sonate für Orgel c-moll, Satz 1 & 2. In der Anmoderation erklärte er: „Bei diesem Werk zeige ich, dass die Orgel auch ordentlich Dampf unterm Kessel hat ...“ Oliver Messiaen, L´ascension, 3. Satz Transports de joie - war das zweite Stück, mit dem er die Anwesenden begeisterte.
Bezirksältester Michael Block bedankte sich abschließend bei den Organisten und auch die Zuhörer sparten nicht mit Applaus. Die feierliche Übergabe wurde so beendet, wie sie auch begonnen wurde, mit einem gemeinsamen Gebet. Mit dem Choral „Großer Gott, wir loben dich“, begleitet von Organist Thorsten Stümpel, brachten alle Teilnehmenden noch einmal ihre Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck.
Den Abschluss machte Hagen Heinicke mit einer Improvisation des Chorals „Nun danket alle Gott“.
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