Vlotho. Das Wort zum Sonntag für die Wochenendausgabe des Westfalen-Blattes am 8. August 2026 schrieb Evangelist Hans-Werner Meyer (Gemeindeleiter i. R. der Neuapostolischen Kirche Vlotho).
Sommerzeit ist nicht nur Reisezeit, sondern auch die Chance für neue Begegnungen. Man ist viel draußen an der Luft, genießt Entspannung an so manch ruhigem Plätzchen oder geht gezielt zu Veranstaltungen, für die sonst wenig Zeit bleibt. Überall begegnet man Menschen - Bekannten und Fremden.
Manchmal begegnet uns ein Mensch, der nur für einen kurzen Moment Teil unseres Tages ist: Zum Beispiel an der Haustür, am Arbeitsplatz, im Bus oder beim Einkaufen.
Wir wissen nicht, was dieser Mensch gerade erlebt oder welche Geschichte er mitbringt. In Matthäus 10,40 sagt Jesus: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf“! Darin liegt ein einfacher, aber tiefer Gedanke. In der Art nämlich, wie wir anderen Menschen begegnen, zeigt sich etwas von unserer Haltung zum Leben und zu Gott.
Manchmal spricht man auch von Begegnungen ‚der besonderen Art‘. Dabei erlebt man leider keine Spiegelung der eigenen Offenheit und Freundlichkeit, sondern totale Verschlossenheit und offensichte Ablehnung. Da spürt man nicht selten die Unzufriedenheit desjenigen mit sich, mit der Welt und mit Gott.
Und dann gibt es Begegnungen, in denen der Mensch fast gar nicht redet. Dann sollte man in Betracht ziehen, dass dieser mehr Schlimmes erlebt hat, als ein Mensch jemals erleben sollte.
Aber ‚Aufnehmen‘ kann bedeuten, die Tür zu öffnen. Doch oft beginnt schon vorher etwas. Zuhören, jemanden bewusst wahrnehmen, Platz lassen oder anbieten, ehrliches Lächeln, ein freundliches Wort schenken oder einen Menschen nicht wieder zu vorschnell beurteilen.
Vielleicht begegnet uns gerade dort, mitten im Gewöhnlichen, etwas Besonderes!
Ein Bekannter berichtete einmal von einem Obdachlosen, der ihm lautstark hinterherschimpfte, weil er nichts in seinen Hut getan hatte. Er ging spontan zurück und fragte: „Wie heißt du eigentlich?“ Daraufhin wurde der Mann ganz sentimental und sagte: Das hat mich seit langer Zeit niemand mehr gefragt! Auch die Münze fand so noch den Weg in den Hut. Eine Ansprache mit Namen ist uns allen doch so wichtig.
Der angeführte Bibelvers lädt dazu ein, aufmerksam durch den Alltag zu gehen. Denn jede Begegnung kann zu einem Ort werden, an dem Nähe, Respekt, Menschlichkeit und gelegentlich sogar Herzlichkeit spürbar werden.
Ich wünsche Euch allen viele richtig gute Begegnungen.
8. August 2026
Text:
Hans-Werner Meyer
Fotos:
Hans-Werner Meyer
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