Lage. „Sie hatten keinen Raum in der Herberge“ (Lk 2,7) – ein Satz, der beim alljährlichen Lesen der Weihnachtsgeschichte selbstverständlich mitgelesen wird. Doch er steht für die Realität – für eine oft sehr eigene Wirklichkeit, die man nicht verleugnen oder gar wegdiskutieren kann. Es geht um Menschen, die keinen Platz finden, die das Leben gerade mal so schaffen; es geht um Situationen, die nicht mal eben wieder ‚gut‘ werden. Das ist die Wirklichkeit, in die wir Heiligabend hineinfeiern: keinen Raum in der Herberge haben. Gott kam leise, übersehbar, aber dennoch als kyrios und Retter der Welt. Fürchte dich nicht! Er ist das Licht für deinen nächsten Schritt. Das ist sein Versprechen.
Nach 35 Minuten war es merklich still geworden in der Gemeinde Lage, nachdem Julia Falk ihre intensiven Gedanken zur Heiligen Nacht vorgetragen hatte. Eine Stille, die die vertrauensvolle Zuversicht zum Ausdruck bringt, dass Gott durch seine Menschwerdung Gutes in die Welt gebracht hat. Eine Stille, die die eingekehrte Weihnachtsfreude nicht schmälerte, sondern sie begründete, die dazu anhielt, den eigenen Gedanken nachzugehen und den Heiligen Abend zwischen Fragilität und Freude, stiller Einkehr und lautem Jubel bewusst wahrzunehmen.
Gott kommt leise
Punkt 16 Uhr hört man aus dem Hintergrund eins der ältesten adventlichen Volkslieder: „Maria durch ein Dornwald ging“, das im Tonsatz von Stefan Claas zerbrechlich, durchsichtig, trotzdem ineinander gewoben die Ankündigung Jesu Geburt und die Veränderungen für die Welt enthält. Dornen werden Rosen tragen.
In einem durchdachten Wechselspiel von Lesung der Weihnachtsgeschichte aus Lukas (Jolika Schulte) und Musik (Männerquartett Selbstlaut, Stimmen des gemischten Chores der Gemeinde Lage, Benjamin Falk an Klavier und Orgel) wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer auf die Reise zum Wunder im Stall mitgenommen. „Oh Bethlehem, du kleine Stadt“ (Text: Phillip Brooks, Melodie: Ralph Vaughan Williams) ist der Ort, an dem sich alle in die Steuerlisten eintragen lassen mussten. Ein Davidide geht nach Bethlehem und der Betrachter von heute steht an der Krippe, gibt Herz, Seel und Mut – alles dem Jesuskind hin. Vom Vokalensemble Selbstlaut wurde das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“ in dieser Haltung, fehlerlos, rein, berührend vorgetragen.
Sich dem Wunder Gottes öffnen – Freue dich Welt und lasset uns anbeten
Stand bei den ersten Musikbeiträgen die Zerbrechlichkeit über das Wunder Gottes im Stall merklich spürbar und hörbar im Zentrum der Vorträge, lud das Vokalensemble Selbstlaut mit dem Weihnachtslied „Freue dich Welt“ alle zum Staunen ein und bestätigte damit singend den dritten Teil der Lesung: „Euch ist heute der Heiland geboren! Der Herr in der Stadt Davids.“ Aus dem insgesamt sorgfältig und durchdacht geführten Aufbau der Andacht heraus ergab sich an dieser Stelle die einzig verbliebene Konsequenz: Alle sagen gemeinsam, und das merklich von Weihnachtsfreude erfüllt „Herbei, oh ihr Gläubigen.“ Alle kommen und beten gemeinsam an – das Wunder in der Krippe, im Bewusstsein der je eigenen Wirklichkeit der Heiligen Nacht.
sweet is the song – Fürbitten in eine Wirklichkeit der Welt hinein
Ein Höhepunkt war das Stück „A star is shining tonight“ (Text: Eyvind Skeie, Satz: Sigi Hänger) des Gesamtchores mit der klaren Botschaft: Jetzt ist Weihnachten! „No matter what, we’re not alone. A star is shining tonight.“ Gottes Versprechen hält. Der unaufgeregte, aber nachdrückliche und intensive Vortrag betonte die unbedingte Zusage, die in der Menschwerdung Gottes liegt. Du bist Gott nicht gleichgültig. Aus dieser Kernbotschaft des kurzweiligen Nachmittags laß Julia Falk abschließend wohl formulierte Fürbitten vor. Eine Tradition, die als Ausdruck des allgemeinen Priestertums jedes Christen gilt, das Licht der Heiligen Nacht weitergibt und Kirche öffentlich macht: „Wir bitten als Christen für die Unruhigen, für die, die Angst vor Morgen haben, für die vom Durchhalten müde gewordenen, wir bitten für den nächsten Atemzug Frieden, für die Wunden in der Welt, für alle, die Sehnsucht nach Heil haben.“ Denn, so schloss noch einmal das Männerquartett: „Aller Welt wird offenbar, der Tag des Herrn ist nah.“
Datenschutzeinstellungen
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Datenschutzeinstellungen
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Einstellungen
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.
